Warum kaufen Menschen Bücher? Sie tun dies, weil sie ein bestimmtes Bedürfnis haben. Kennen wir dieses, können wir es in der Positionierung und Vermarktung bewusst adressieren. Das schafft Orientierung und Kaufimpulse beim Kunden. Ein vermeintlich einfaches Problem, denn die kaufentscheidenden Bedürfnisse sind Buchkäufern selbst gar nicht bewusst. Während aktive Leserinnen und Leser gezielt nach Büchern suchen, möchten sich gerade die sogenannten Abwanderer beim Stöbern inspirieren lassen. Und genau da fehlt es besonders an Orientierung. Um Abhilfe zu schaffen, hat die Gruppe Nymphenburg deshalb das Informations- und Suchverhalten von Buchkäufern analysiert und die unbewussten Beweggründe, die zum Buchkauf führen, zu relevanten Einheiten gebündelt. Das Unbewusste lässt sich so bewusst ansprechen – das erreicht auch Abwanderer. MVB hat die Marktforschung zu den Kundenbedürfnissen und die praxisorientierte Entwicklung der Lesemotive als Konsequenz aus der "Quo vadis?"-Studie in Auftrag gegeben und aus eigenen Mitteln für die Branche vorfinanziert. Unser Ziel ist die Erweiterung des Verzeichnisses Lieferbarer Bücher (VLB) um eine Klassifikation, die zusätzliche Orientierung im Buchmarkt schafft und so möglichst schnell den rückläufigen Trend bei der Zahl der Buchkäufer ins Positive umkehren kann. Die automatisierte Integration der Lesemotive in die Metadatenbank ist Voraussetzung dafür, dass der neue Lesemotiv-Standard konsequent und flächendeckend umgesetzt werden kann.

Wie also können Sie Ihr Produktangebot mit dem "Bauchgefühl" des Lesers verkaufsfördernd zusammenbringen?

Die Antwort: Lesemotive.

Auf neurowissenschaftlicher Basis macht dieser neue Klassifizierungsstandard erstmals den emotionalen Zugang zu Büchern aus Kundenperspektive systematisch für die gesamte Buchbranche nutzbar. Damit eröffnet sich eine zusätzliche Dimension der Kundenansprache – das Bauchgefühl wird zur Kopfsache. Der Klassifizierungsstandard „Lesemotive“ gibt Orientierung und schafft nachhaltige Freude am Buchkauf. Denn sie bündeln die unbewussten Beweggründe, die zum Buchkauf führen, zu relevanten Einheiten. Die konsequente Ausrichtung auf diese Lesemotive bietet Ihnen die Möglichkeit zur umfassenden Optimierung von Produkten, Prozessen und Präsentationsstrukturen im Netz und im Handel vor Ort.

Weitere Informationen zu den Lesemotiven und zu unserem modularen Beratungsangebot finden Sie auf der MVB-Webseite.

So setzen wir die Lesemotive im VLB um

Um Ihnen die Lesemotive zu Ihren Titeln direkt zugänglich zu machen, werden wir eine automatische Klassifizierung aller relevanten Titel im VLB vornehmen. Dabei arbeiten wir mit den KI-Experten von QualiFiction zusammen.

Die entwickelte KI wertet die Metadaten eines Titels aus, um das passende Lesemotiv zu ermitteln. Der Prototyp wurde anhand von über 4.000 Titeln trainiert, denen ein Team von Expertinnen und Experten aus Verlagen und Handel mit viel Einsatz manuell Lesemotive zugeordnet hat. Lassen Sie sich davon überraschen, welche Lesemotive Ihren Titeln zugeordnet werden.

Step 1: Erste Einblicke mit dem Lesemotiv-Browser

Einen ersten Blick auf die Art und Weise, wie Titel klassifiziert werden, bietet Ihnen unser Lesemotiv-Browser. Hier können Sie am Beispiel von 22 ausgewählten Titeln aus dem Datenset des Projekts sehen, welche Lesemotive entsprechend vergeben wurden. Für die Nutzung des Lesemotiv-Browsers ist nur eine einfache (kostenlose) Registrierung notwendig, die Sie direkt im Browser durchführen können.

Step 2: Beta-Version mit einem Labeling aller relevanten Titel im VLB

Direkt im VLB werden die Lesemotive im Laufe des Jahres 2021 implementiert. Dazu führen wir ein sogenanntes Massen-Labeling für alle relevanten Titel durch. Der Fokus liegt auf text-basierten Produkten, z. B. Büchern und E-Books. Außerdem bleiben Kinder- und Geschenkbücher vorerst ausgeschlossen, da diese überwiegend nicht von den späteren Lesern selbst gekauft werden. Im Anschluss an die automatisierte Zuordnung wird es eine Feedback-Option geben, falls die angegebenen Lesemotive aus Sicht der Verlage nicht stimmig sein sollten.

Sind die Titel im VLB zusätzlich mit Lesemotiven ausgestattet, ermöglicht das Verlagen, ihre Titel besser zu bewerben und es bietet Buchhandlungen die Möglichkeit, Titel entsprechend zu präsentieren.

Wie werden die Lesemotive für Titel im VLB ermittelt?

Die Lesemotive werden über verschiedene Kategorien im VLB ermittelt:

1. elementare Metadaten

  • Thema-Inhalte und -Zusätze
  • Preise
  • Formate
  • Warengruppe
  • Umfang
  • Existenz von Bewertungen
  • Veröffentlichungsdatum
  • Zielgruppe/Lesealter
  • Bestseller-Referenzen
  • Titel-Semantik

2. Cover

  • Farbverteilung
  • erkannte Objekte, insb. Gesichter

3. Keywords

  • Semantik (Wort-Vektoren)
  • Performance-Indikatoren (Komparative, Superlative etc.)

4. Inhaltsangaben

  • Semantik (Wort-Vektoren)
  • Persönliche Ansprache
  • Jahreszahlen
  • lokale Entitäten

5. Volltext (perspektivisch, falls vorhanden)

  • Stil
  • Thematik
  • Sentiment
  • [Figuren/Interaktion]

Überblick über die Vergabe von Lesemotiven im VLB

Empfindungen sind teilweise subjektiv und literarische Produkte sind vielschichtig. Daher lassen sich Empfindungen beim Lesen nicht immer starren Clustern zuordnen.

Diesem Umstand trägt die KI Rechnung und modelliert daher Wahrscheinlichkeiten mit der ein Lesemotive zu einem bestimmten Titel passt.

  1. Lesemotive lassen sich gut auf Basis von Metadaten vorhersagen! Denn Metadaten bieten aufgrund ihrer reichhaltigen Datenstruktur eine gute Basis für Vorhersagen.
  2. Der Textinhalt besitzt in der Praxis die gleiche prädiktive Kraft - die Metadaten prägen zusätzlich die primäre Positionierung eines Buchs! Das Wissen um den Volltextinhalt verrät (abseits aller Metadaten) bereits die grundsätzliche Beheimatung eines Werks in der Leselandschaft. Außerdem schärfen Metadaten (Cover, Keywords) die Zielgruppenerwartung und schaffen/prägen Erwartungshaltung bei der Leserschaft.
  3. Ein probabilistischer Ansatz (Wahrscheinlichkeiten) bildet die Wirklichkeit und das Leseerlebnis am
    besten ab
    , da sie Subjektivität und/oder Vielschichtigkeit abbildet.